Zinseszins realistisch: Was aus 100 € im Monat wird

100 € monatlich über 10, 20, 30 und 40 Jahre: echte Zahlen mit 7 % und 5 % Rendite, nach Inflation und Steuern — und warum die Zeit wichtiger ist als der Betrag.

Junge Pflanze wächst aus einem Münzstapel
Symbolbild · KI

Der Zinseszins wird gern als „achtes Weltwunder” verkauft. Das klingt nach Marketing, die Mathematik dahinter ist aber unspektakulär: Erträge werden wieder angelegt und bringen selbst Erträge. Interessant wird es erst, wenn man echte Zahlen danebenlegt — und ehrlich abzieht, was am Ende davon übrig bleibt.

Die Ausgangsrechnung

Angenommen, du legst jeden Monat 100 € in einen breit gestreuten Aktien-ETF. Als durchschnittliche Rendite rechne ich mit 7 % pro Jahr, monatlich verzinst. Das ist eine übliche Annahme für einen weltweiten Aktienindex über lange Zeiträume — eine Garantie ist es nicht.

LaufzeitEingezahltDepotwert bei 7 %davon Wertzuwachs
10 Jahre12.000 €17.308 €5.308 € (31 %)
20 Jahre24.000 €52.093 €28.093 € (54 %)
30 Jahre36.000 €121.997 €85.997 € (70 %)
40 Jahre48.000 €262.481 €214.481 € (82 %)

Die rechte Spalte ist die eigentliche Aussage: Nach zehn Jahren besteht dein Depot noch überwiegend aus eigenem Geld. Nach vierzig Jahren sind mehr als vier Fünftel Erträge. Der Effekt wirkt nicht gleichmäßig, sondern beschleunigt sich mit jedem Jahr.

Zeit schlägt Betrag

Wer zehn Jahre später anfängt, kann das mit einer höheren Sparrate kaum ausgleichen. Zwei Beispiele mit denselben 7 %:

  • 100 € über 30 Jahre: 36.000 € eingezahlt, 121.997 € am Ende.
  • 200 € über 20 Jahre: 48.000 € eingezahlt, 104.185 € am Ende.

Die zweite Person zahlt 12.000 € mehr ein und hat trotzdem rund 18.000 € weniger. Die zehn zusätzlichen Jahre sind mehr wert als die doppelte Sparrate.

Was bei 5 % passiert

Sieben Prozent sind kein Naturgesetz. Mit 5 % pro Jahr sieht dieselbe Rechnung so aus: 15.528 € nach 10 Jahren, 41.103 € nach 20, 83.226 € nach 30 und 152.602 € nach 40 Jahren. Zwei Prozentpunkte weniger kosten nach 40 Jahren also rund 110.000 € — mehr als das Doppelte der Einzahlungen. Deshalb lohnt es sich, auf Kosten zu achten: Jeder Zehntelprozentpunkt an Gebühren wirkt genauso, nur in die andere Richtung.

Inflation: der Wert in heutiger Kaufkraft

Die 121.997 € nach 30 Jahren kaufen dann nicht mehr dasselbe wie heute. Bei 2 % Inflation pro Jahr entsprechen sie in heutiger Kaufkraft rund 67.351 €. Nach 40 Jahren werden aus 262.481 € rund 118.875 € heutiger Kaufkraft. Das ist weniger spektakulär, aber immer noch deutlich mehr als die eingezahlten 48.000 € — und genau darum geht es beim langfristigen Anlegen: Kaufkraft erhalten und vermehren.

Steuern am Ende

Auf Kursgewinne fällt beim Verkauf Abgeltungsteuer an: 25 % plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 % (ohne Kirchensteuer). Bei Aktien-ETFs sind 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung). Würdest du nach 30 Jahren alles auf einmal verkaufen, blieben vom Wertzuwachs etwa 15.900 € Steuern übrig — dein Depot läge dann netto bei rund 106.000 €. In der Praxis verkauft kaum jemand alles an einem Tag, und der Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr senkt die Steuer zusätzlich.

Drei Dinge, die du daraus mitnehmen kannst

  1. Früh anfangen ist der größte Hebel. Auch 25 € im Monat sind ein Anfang; erhöhen kannst du später.
  2. Kosten niedrig halten. Ein breiter ETF mit niedriger Kostenquote und ein günstiger Broker machen über Jahrzehnte einen fünfstelligen Unterschied.
  3. Durchhalten. Die Durchschnittsrendite entsteht nur, wenn du auch in schlechten Börsenjahren weiter sparst und nicht verkaufst.

Mit dem Zinseszinsrechner kannst du deine eigenen Zahlen durchspielen — inklusive Steuer und Inflation.

Die Beispiele sind Modellrechnungen mit gleichbleibender Rendite. Echte Börsenverläufe schwanken, vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Keine Anlageberatung.