Bewertung: Was kostet das Unternehmen?
Diese Kennzahlen beantworten die Preisfrage — keine sagt allein die Wahrheit.
KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)
👍 10–25 je nach BrancheAktienkurs ÷ Gewinn je Aktie
Wie viele Jahresgewinne kostet die Aktie? Das KGV ist der Klassiker für den schnellen Preis-Check — am aussagekräftigsten im Vergleich zur eigenen Historie und zur Branche.
⚠ Stolperfalle: Bei Verlustfirmen unbrauchbar; zyklische Gewinne (Auto, Chemie) machen das KGV am Hoch optisch billig.
KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis)
👍 < 2 günstig, > 10 sportlichMarktkapitalisierung ÷ Umsatz
Bewertet den Umsatz statt des Gewinns — nützlich bei jungen Wachstumsfirmen, die (noch) keinen Gewinn machen.
⚠ Stolperfalle: Umsatz ist nicht Gewinn: Ein niedriges KUV bei Mini-Margen ist kein Schnäppchen.
KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis)
👍 < 1 = unter SubstanzwertKurs ÷ Buchwert je Aktie
Vergleicht den Preis mit dem bilanziellen Eigenkapital. Beliebt bei Banken, Versicherern und Industrie.
⚠ Stolperfalle: Bei Software- und Markenunternehmen fast bedeutungslos — ihr Wert steht nicht in der Bilanz.
PEG-Ratio
👍 ≈ 1 fair, < 1 attraktivKGV ÷ Gewinnwachstum (% p. a.)
Setzt die Bewertung ins Verhältnis zum Wachstum: Ein KGV von 30 ist bei 30 % Gewinnwachstum fair, bei 5 % absurd teuer.
⚠ Stolperfalle: Wachstumsprognosen sind Schätzungen — ein PEG auf Analystenträumen ist Makulatur.
EV/EBITDA
👍 8–12 üblichUnternehmenswert ÷ operativer Gewinn
Die Profi-Variante des KGV: berücksichtigt Schulden (Enterprise Value) und ist unabhängig von Abschreibungs- und Steuereffekten — ideal für Vergleiche.
⚠ Stolperfalle: EBITDA ignoriert echte Investitionskosten — Warren Buffett nennt es „Zahnfee-Gewinn“.
Profitabilität: Wie gut verdient es?
Margen und Kapitalrenditen sind der Qualitäts-TÜV eines Geschäftsmodells.
Bruttomarge
👍 > 40 % stark(Umsatz − Herstellkosten) ÷ Umsatz
Zeigt die Preissetzungsmacht: Wie viel bleibt vom Umsatz nach den direkten Kosten? Software erreicht 70–90 %, Handel oft unter 30 %.
⚠ Stolperfalle: Nur innerhalb der Branche vergleichen — Aldi mit Adobe zu vergleichen ist sinnlos.
Operative Marge
👍 > 15 % gutOperativer Gewinn (EBIT) ÷ Umsatz
Der Maschinenraum: Wie profitabel ist das Kerngeschäft nach allen laufenden Kosten? Stabil steigende Margen = Skaleneffekte greifen.
⚠ Stolperfalle: Einmaleffekte (Verkäufe, Restrukturierung) können einzelne Jahre verzerren — immer 5+ Jahre anschauen.
Nettomarge
👍 > 10 % gutJahresüberschuss ÷ Umsatz
Was am Ende für die Aktionäre übrig bleibt — nach Zinsen und Steuern.
⚠ Stolperfalle: Durch Steuereffekte und Zinslast schwankungsanfälliger als die operative Marge.
ROE (Eigenkapitalrendite)
👍 > 15 % erstklassigGewinn ÷ Eigenkapital
Wie effizient arbeitet das Geld der Aktionäre? Dauerhaft hohe ROE ist das stärkste Qualitätssignal überhaupt.
⚠ Stolperfalle: Hohe Schulden pushen die ROE künstlich — immer zusammen mit der Eigenkapitalquote lesen.
ROCE
👍 > 15 % starkEBIT ÷ eingesetztes Kapital
Wie die ROE, aber inklusive Fremdkapital — entlarvt schuldengetriebene Scheinqualität.
⚠ Stolperfalle: Berechnungsvarianten unterscheiden sich je Datenquelle — innerhalb einer Quelle vergleichen.
Bilanz & Sicherheit: Überlebt es Krisen?
Schulden entscheiden im Abschwung über Leben und Tod — diese vier Checks schützen dich.
Eigenkapitalquote
👍 > 30 % solideEigenkapital ÷ Bilanzsumme
Der Risikopuffer: Je mehr Eigenkapital, desto mehr Krise kann das Unternehmen wegstecken, ohne in Not zu geraten.
⚠ Stolperfalle: Banken und Versorger funktionieren systembedingt mit weniger — Branchenkontext zählt.
Nettoverschuldung / EBITDA
👍 < 3 okay, < 1 stark(Schulden − Kasse) ÷ EBITDA
In wie vielen Jahren könnte die Firma ihre Schulden aus dem operativen Gewinn tilgen? Der wichtigste Schulden-Check.
⚠ Stolperfalle: Leasingverbindlichkeiten und Pensionslasten verstecken sich gern im Kleingedruckten.
Zinsdeckungsgrad
👍 > 5 entspanntEBIT ÷ Zinsaufwand
Wie locker bedient der Gewinn die Zinslast? Unter 2 wird es bei steigenden Zinsen oder Gewinneinbruch schnell eng.
⚠ Stolperfalle: Bei variabel verzinsten Schulden kann sich das Bild binnen eines Jahres drehen.
Free Cashflow (FCF)
👍 positiv & wachsendOperativer Cashflow − Investitionen
Das echte Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt — für Dividenden, Rückkäufe, Schuldenabbau. Gewinne kann man gestalten, Cash kaum.
⚠ Stolperfalle: Stark investierende Wachstumsfirmen haben bewusst negativen FCF — entscheidend ist der Trend.
Dividende & Cashflow: Was kommt bei dir an?
Für Einkommens-Investoren die Pflicht-Kennzahlen — inklusive Dividendenfallen-Warnung.
Dividendenrendite
👍 2–4 % gesundDividende je Aktie ÷ Kurs
Die jährliche Ausschüttung im Verhältnis zum Kurs — dein „Zins“ aufs investierte Kapital.
⚠ Stolperfalle: Über 6 % ist oft ein Warnsignal: Der Markt zweifelt an der Nachhaltigkeit (Dividendenfalle).
Ausschüttungsquote
👍 30–60 % nachhaltigDividende ÷ Gewinn (oder FCF)
Welcher Gewinnanteil wird ausgeschüttet? Niedrig = Luft für Erhöhungen, nahe 100 % = auf Kante genäht.
⚠ Stolperfalle: Besser auf den FCF statt auf den Buchgewinn beziehen — Dividenden werden aus Cash gezahlt.
Dividendenwachstum
👍 > 5 % p. a. starkSteigerung p. a. über 5–10 Jahre
Stetig wachsende Dividenden (Dividend Aristocrats: 25+ Jahre) signalisieren Disziplin und Geschäftsqualität.
⚠ Stolperfalle: Vergangenheit garantiert nichts — 2020 strichen selbst Traditionszahler die Dividende.
Kennzahlen richtig kombinieren
Einzeln sind Kennzahlen Schnappschüsse — kombiniert werden sie zum Röntgenbild.
1️⃣ Wächst es? → Umsatz- & Gewinnwachstum über 5–10 Jahre
2️⃣ Verdient es? → operative Marge & ROE im Trend
3️⃣ Überlebt es? → Nettoverschuldung/EBITDA & Eigenkapitalquote
4️⃣ Was kostet es? → KGV/EV-EBITDA vs. Historie & PEG
Erst wenn alle vier Antworten überzeugen, lohnt der tiefe Blick in den Geschäftsbericht.
Drei goldene Regeln zum Schluss:
📏 Immer im Kontext lesen — gegen die eigene Historie und die Branche, nie absolut.
📉 Trends schlagen Momentaufnahmen — eine Marge von 15 % ist gut, eine von 12 % auf 15 % gestiegene besser.
🕵️ Misstrauisch bei Ausreißern — Traumkennzahlen haben oft einen Haken (Einmaleffekte, Bilanzkosmetik, Zyklushoch).
Häufige Fragen zu Finanzkennzahlen
Quellen, Schwellenwerte und die Grenzen der Zahlen.
Starte mit dem Vierer-Pack: Umsatzwachstum (wächst es?), operative Marge (verdient es?), Nettoverschuldung/EBITDA (überlebt es Krisen?) und KGV im historischen Vergleich (was kostet es?). Damit erkennst du 80 % aller Qualitäts- und Bewertungsprobleme.
Bei Tools wie Aktienfinder, TIKR oder aktien.guide grafisch über 10+ Jahre aufbereitet; die Rohdaten stehen im Geschäftsbericht (Investor-Relations-Seite). Auch Broker-Apps zeigen die Basics direkt in der Wertpapier-Ansicht.
Es gibt keine magische Zahl: Ein Versorger mit KGV 18 kann teuer sein, ein Software-Marktführer mit KGV 28 fair. Vergleiche immer mit der eigenen Historie (10-Jahres-Schnitt) und mit direkten Wettbewerbern — und setze das KGV über die PEG-Ratio ins Verhältnis zum Wachstum.
Weil Buchgewinne gestaltbar sind (Abschreibungen, Rückstellungen, Bewertungseffekte), Cash aber nicht lügt: Der FCF zeigt, wie viel echtes Geld nach allen Investitionen ankommt — daraus werden Dividenden, Aktienrückkäufe und Schuldentilgung bezahlt. Firmen mit dauerhaft starkem FCF sind selten schlechte Investments.
Nein — jede Kennzahl hat blinde Flecken (siehe Stolperfallen oben). Die Kunst ist die Kombination: Qualität (Margen, ROE) + Sicherheit (Verschuldung) + Preis (KGV/EV-EBITDA) + Wachstum. Wie das praktisch geht, zeigt der Guide „Aktien selbst analysieren“.
Eingeschränkt: Für ETFs zählen vor allem TER (Gesamtkostenquote), Fondsvolumen, Replikationsart und Tracking-Differenz. Bewertungskennzahlen wie das KGV gibt es auch auf Index-Ebene — sie taugen aber eher zur groben Markteinordnung als zum Timing.
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Hinweis: Daumenregeln sind grobe Orientierungswerte und ersetzen keine Einzelfallprüfung. Keine Anlageberatung.