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Finanzkennzahlen verstehen

KGV, ROE, ROIC, Free Cashflow — über 30 Kennzahlen mit Formel, Daumenregel und Stolperfalle. Dein Nachschlagewerk für jede Aktienanalyse — inklusive interaktivem Trainer.

32 Kennzahlen 5 Bereiche 🎮 interaktiv üben

Bewertung 8 Kennzahlen

Was kostet das Unternehmen? Diese Kennzahlen beantworten die Preisfrage — keine sagt allein die Wahrheit.

KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) 👍 10–25 je nach Branche

Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie

Wie viele Jahresgewinne kostet die Aktie? Der Klassiker für den schnellen Preis-Check — am aussagekräftigsten im Vergleich zur eigenen Historie und zur Branche.

Stolperfalle: Bei Verlustfirmen unbrauchbar; zyklische Gewinne (Auto, Chemie) machen das KGV am Hoch optisch billig.

KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) 👍 < 2 günstig, > 10 sportlich

Marktkapitalisierung ÷ Umsatz

Bewertet den Umsatz statt des Gewinns — nützlich bei jungen Wachstumsfirmen, die (noch) keinen Gewinn machen.

Stolperfalle: Umsatz ist nicht Gewinn: Ein niedriges KUV bei Mini-Margen ist kein Schnäppchen.

KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) 👍 < 1 = unter Substanzwert

Kurs ÷ Buchwert je Aktie

Vergleicht den Preis mit dem bilanziellen Eigenkapital. Beliebt bei Banken, Versicherern und Industrie.

Stolperfalle: Bei Software- und Markenunternehmen fast bedeutungslos — ihr Wert steht nicht in der Bilanz.

KCV (Kurs-Cashflow-Verhältnis) 👍 < 10–15 günstig

Kurs ÷ operativer Cashflow je Aktie

Wie das KGV, aber auf Basis des Cashflows statt des leichter gestaltbaren Gewinns — schwerer zu manipulieren.

Stolperfalle: Der operative Cashflow schwankt mit dem Working Capital; einzelne Jahre können täuschen.

PEG (Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis) 👍 ≈ 1 fair, < 1 attraktiv

KGV ÷ Gewinnwachstum (% p. a.)

Setzt die Bewertung ins Verhältnis zum Wachstum: Ein KGV von 30 ist bei 30 % Gewinnwachstum fair, bei 5 % absurd teuer.

Stolperfalle: Wachstumsprognosen sind Schätzungen — ein PEG auf Analystenträumen ist Makulatur.

EV/EBITDA (Unternehmenswert zu operativem Ergebnis) 👍 8–12 üblich

Unternehmenswert ÷ EBITDA

Die Profi-Variante des KGV: berücksichtigt Schulden (Enterprise Value) und ist unabhängig von Abschreibungs- und Steuereffekten — ideal für Vergleiche.

Stolperfalle: EBITDA ignoriert echte Investitionskosten — Warren Buffett nennt es „Zahnfee-Gewinn“.

EV/Sales (Unternehmenswert zu Umsatz) 👍 branchenabhängig, < 3 moderat

Unternehmenswert ÷ Umsatz

Wie das KUV, aber inklusive Schulden — ein fairer Vergleich von Firmen mit unterschiedlicher Finanzierung. Oft für Wachstumswerte ohne Gewinn.

FCF-Yield (Free-Cashflow-Rendite) 👍 > 5 % attraktiv

Free Cashflow ÷ Marktkapitalisierung

Wie viel echtes Geld wirft die Firma im Verhältnis zum Börsenwert ab? Das Gegenstück zur Anleihe-Rendite — hoch heißt günstig.

Profitabilität 7 Kennzahlen

Wie gut verdient es? Margen und Kapitalrenditen sind der Qualitäts-TÜV eines Geschäftsmodells.

GM (Bruttomarge) 👍 > 40 % stark

(Umsatz − Herstellkosten) ÷ Umsatz

Zeigt die Preissetzungsmacht: Wie viel bleibt vom Umsatz nach den direkten Kosten? Software erreicht 70–90 %, Handel oft unter 30 %.

Stolperfalle: Nur innerhalb der Branche vergleichen — Aldi mit Adobe zu vergleichen ist sinnlos.

OM (Operative Marge / EBIT-Marge) 👍 > 15 % gut

Operativer Gewinn (EBIT) ÷ Umsatz

Der Maschinenraum: Wie profitabel ist das Kerngeschäft nach allen laufenden Kosten? Stabil steigende Margen heißt: Skaleneffekte greifen.

NM (Nettomarge) 👍 > 10 % gut

Jahresüberschuss ÷ Umsatz

Was am Ende für die Aktionäre übrig bleibt — nach Zinsen und Steuern.

ROE (Eigenkapitalrendite) 👍 > 15 % erstklassig

Gewinn ÷ Eigenkapital

Wie effizient arbeitet das Geld der Aktionäre? Dauerhaft hohe ROE ist das stärkste Qualitätssignal überhaupt.

Stolperfalle: Hohe Schulden pushen die ROE künstlich — immer zusammen mit der Eigenkapitalquote lesen.

ROA (Gesamtkapitalrendite) 👍 > 5 % solide

Gewinn ÷ Bilanzsumme

Wie effizient setzt das Management ALLE Vermögenswerte ein — unabhängig von der Finanzierung.

ROCE (Rendite auf das eingesetzte Kapital) 👍 > 15 % stark

EBIT ÷ eingesetztes Kapital

Wie die ROE, aber inklusive Fremdkapital — entlarvt schuldengetriebene Scheinqualität.

ROIC (Rendite auf das investierte Kapital) 👍 > Kapitalkosten (WACC)

NOPAT ÷ investiertes Kapital

Die Königskennzahl der Qualität: Verdient die Firma mehr, als ihr Kapital kostet? Dauerhaft ROIC über WACC schafft echten Wert.

Stolperfalle: Die Definition von „investiertem Kapital“ variiert je Quelle — konsistent rechnen; viel Goodwill kann das Bild verzerren.

Bilanz & Sicherheit 7 Kennzahlen

Überlebt es Krisen? Schulden und Liquidität entscheiden im Abschwung über Leben und Tod.

EKQ (Eigenkapitalquote) 👍 > 30 % solide

Eigenkapital ÷ Bilanzsumme

Der Risikopuffer: Je mehr Eigenkapital, desto mehr Krise kann das Unternehmen wegstecken, ohne in Not zu geraten.

Stolperfalle: Banken und Versorger funktionieren systembedingt mit weniger — Branchenkontext zählt.

Net Debt/EBITDA (Nettoverschuldung zu EBITDA) 👍 < 3 okay, < 1 stark

(Schulden − Kasse) ÷ EBITDA

In wie vielen Jahren könnte die Firma ihre Schulden aus dem operativen Gewinn tilgen? Der wichtigste Schulden-Check.

Stolperfalle: Leasingverbindlichkeiten und Pensionslasten verstecken sich gern im Kleingedruckten.

ICR (Zinsdeckungsgrad) 👍 > 5 entspannt

EBIT ÷ Zinsaufwand

Wie locker bedient der Gewinn die Zinslast? Unter 2 wird es bei steigenden Zinsen oder Gewinneinbruch schnell eng.

Stolperfalle: Bei variabel verzinsten Schulden kann sich das Bild binnen eines Jahres drehen.

Current Ratio (Liquidität 3. Grades) 👍 > 1,5 komfortabel

Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten

Kann die Firma ihre kurzfristigen Schulden aus dem Umlaufvermögen decken? Der schnelle Liquiditäts-Check.

Gearing (Verschuldungsgrad) 👍 < 100 % solide

Nettoverschuldung ÷ Eigenkapital

Das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital — zeigt den Hebel in der Bilanz.

FCF (Free Cashflow) 👍 positiv & wachsend

Operativer Cashflow − Investitionen

Das echte Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt — für Dividenden, Rückkäufe, Schuldenabbau. Gewinne kann man gestalten, Cash kaum.

Stolperfalle: Stark investierende Wachstumsfirmen haben bewusst negativen FCF — entscheidend ist der Trend.

FCF-Marge (Free-Cashflow-Marge) 👍 > 10 % stark

Free Cashflow ÷ Umsatz

Wie viel Cent echtes Geld bleiben je Euro Umsatz? Verbindet Profitabilität und Kapitalbedarf in einer einzigen Zahl.

Dividende & Cashflow 5 Kennzahlen

Was kommt bei dir an? Für Einkommens-Investoren Pflicht — inklusive Dividendenfallen-Warnung.

DY (Dividendenrendite) 👍 2–4 % gesund

Dividende je Aktie ÷ Kurs

Die jährliche Ausschüttung im Verhältnis zum Kurs — dein „Zins“ aufs investierte Kapital.

Stolperfalle: Über 6 % ist oft ein Warnsignal: Der Markt zweifelt an der Nachhaltigkeit (Dividendenfalle).

Payout (Ausschüttungsquote) 👍 30–60 % nachhaltig

Dividende ÷ Gewinn (oder FCF)

Welcher Gewinnanteil wird ausgeschüttet? Niedrig = Luft für Erhöhungen, nahe 100 % = auf Kante genäht.

Stolperfalle: Besser auf den FCF statt auf den Buchgewinn beziehen — Dividenden werden aus Cash gezahlt.

DGR (Dividendenwachstum) 👍 > 5 % p. a. stark

Steigerung p. a. über 5–10 Jahre

Stetig wachsende Dividenden (Dividend Aristocrats: 25+ Jahre) signalisieren Disziplin und Geschäftsqualität.

Stolperfalle: Vergangenheit garantiert nichts — 2020 strichen selbst Traditionszahler die Dividende.

Buyback Yield (Rückkaufrendite) 👍 ergänzt die Dividende

Netto-Aktienrückkäufe ÷ Marktkapitalisierung

Rückkäufe verringern die Aktienzahl und heben den Gewinn je Aktie — eine „stille Dividende“.

Shareholder Yield (Aktionärsrendite) 👍 > 5 % aktionärsfreundlich

(Dividende + Netto-Rückkäufe + Tilgung) ÷ Marktkap.

Die gesamte Rendite, die ans Kapital zurückfließt — der ehrlichste Blick auf die Kapitalverwendung.

Wachstum & Effizienz 5 Kennzahlen

Wie schnell und wie sauber wächst es? Tempo ist nur die halbe Miete — es muss auch in Cash ankommen.

CAGR (jährliche Wachstumsrate) 👍 > 10 % p. a. dynamisch

(Endwert ÷ Startwert)^(1/Jahre) − 1

Das geglättete jährliche Wachstum über mehrere Jahre — filtert einzelne Ausreißerjahre heraus.

Stolperfalle: Sagt nichts über Profitabilität; per Übernahme „gekauftes“ Wachstum ist anders zu werten als organisches.

EPS-Growth (Gewinnwachstum je Aktie) 👍 > 10 % p. a. stark

Veränderung Gewinn je Aktie p. a.

Wächst der Gewinn JE AKTIE? Entscheidend, weil neue Aktien (Kapitalerhöhungen) das Wachstum verwässern.

Stolperfalle: Aktienrückkäufe heben das EPS-Wachstum ohne operatives Plus; Einmaleffekte verzerren einzelne Jahre.

Asset Turnover (Kapitalumschlag) 👍 höher = effizienter

Umsatz ÷ Bilanzsumme

Wie viel Umsatz erzeugt jeder Euro Vermögen? Handel hat hohen, Industrie niedrigen Umschlag — Teil der DuPont-Zerlegung der ROE.

CCR (Cash-Conversion-Rate) 👍 > 80 % gesund

Free Cashflow ÷ Nettogewinn

Wie viel des Buchgewinns wird zu echtem Cash? Dauerhaft unter 70 % ist ein Warnsignal für „Papiergewinne“.

Rule of 40 (40er-Regel) 👍 ≥ 40 gesund

Umsatzwachstum % + FCF-Marge %

Die Faustregel für (Software-)Wachstumsfirmen: Wachstum und Profitabilität zusammen sollten mindestens 40 ergeben — schnelles Wachstum darf etwas Marge kosten.

Stolperfalle: Nur für skalierbare Geschäftsmodelle sinnvoll; je nach Margen-Definition variiert der Wert.

Kennzahlen kombinieren

Das 4-Fragen-Raster für jede Aktie

Einzeln sind Kennzahlen Schnappschüsse — kombiniert werden sie zum Röntgenbild. Erst wenn alle vier Antworten überzeugen, lohnt der tiefe Blick in den Geschäftsbericht.

1

Wächst es?

Umsatz-CAGR & EPS-Wachstum über 5–10 Jahre

2

Verdient es?

Operative Marge, ROIC & FCF-Marge im Trend

3

Überlebt es?

Net Debt/EBITDA, ICR & Eigenkapitalquote

4

Was kostet es?

KGV/EV-EBITDA vs. Historie & PEG

Immer im Kontext lesen

Gegen die eigene Historie und die Branche — nie absolut.

Trends schlagen Schnappschüsse

Eine von 12 % auf 15 % gestiegene Marge ist besser als konstante 15 %.

Misstrauisch bei Ausreißern

Traumkennzahlen haben oft einen Haken: Einmaleffekte, Bilanzkosmetik, Zyklushoch.

🎮 Interaktiv üben

Kennzahlen-Trainer: Analysiere fiktive Firmen

Bewerte die Werte erfundener Unternehmen und lerne spielerisch, wie die Kennzahlen zusammenspielen — vom einzelnen Wert bis zum Gesamturteil.

Runde 1 / 7
★ 0
SolarTec AGSolar · junges Wachstum
KUV14GewinnVerlustUmsatzwachstum+45 %

Hoher Umsatz, aber rote Zahlen — ein Schnäppchen?

FAQ

Häufige Fragen zu Finanzkennzahlen

Quellen, Schwellenwerte und die Grenzen der Zahlen.

Starte mit dem Vierer-Pack: Umsatzwachstum (wächst es?), operative Marge (verdient es?), Nettoverschuldung/EBITDA (überlebt es Krisen?) und KGV im historischen Vergleich (was kostet es?). Damit erkennst du 80 % aller Qualitäts- und Bewertungsprobleme.

Bei Tools wie Aktienfinder, TIKR oder aktien.guide grafisch über 10+ Jahre aufbereitet; die Rohdaten stehen im Geschäftsbericht (Investor-Relations-Seite). Auch Broker-Apps zeigen die Basics direkt in der Wertpapier-Ansicht.

Es gibt keine magische Zahl: Ein Versorger mit KGV 18 kann teuer sein, ein Software-Marktführer mit KGV 28 fair. Vergleiche immer mit der eigenen Historie (10-Jahres-Schnitt) und mit direkten Wettbewerbern — und setze das KGV über die PEG-Ratio ins Verhältnis zum Wachstum.

Weil Buchgewinne gestaltbar sind (Abschreibungen, Rückstellungen, Bewertungseffekte), Cash aber nicht lügt: Der FCF zeigt, wie viel echtes Geld nach allen Investitionen ankommt — daraus werden Dividenden, Aktienrückkäufe und Schuldentilgung bezahlt. Firmen mit dauerhaft starkem FCF sind selten schlechte Investments.

Nein — jede Kennzahl hat blinde Flecken (siehe Stolperfallen oben). Die Kunst ist die Kombination: Qualität (Margen, ROE/ROIC) + Sicherheit (Verschuldung) + Preis (KGV/EV-EBITDA) + Wachstum. Genau dieses Zusammenspiel übst du oben im Kennzahlen-Trainer.

Eingeschränkt: Für ETFs zählen vor allem TER (Gesamtkostenquote), Fondsvolumen, Replikationsart und Tracking-Differenz. Bewertungskennzahlen wie das KGV gibt es auch auf Index-Ebene — sie taugen aber eher zur groben Markteinordnung als zum Timing.

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Hinweis: Daumenregeln sind grobe Orientierungswerte und ersetzen keine Einzelfallprüfung. Keine Anlageberatung.