🎓 Anlegen · Wissen

Finanzkennzahlen verstehen

KGV, ROE, Free Cashflow — die 17 wichtigsten Kennzahlen mit Formel, Daumenregel und Stolperfalle. Dein Nachschlagewerk für jede Aktienanalyse.

Stand: 2026

Bewertung: Was kostet das Unternehmen?

Diese Kennzahlen beantworten die Preisfrage — keine sagt allein die Wahrheit.

KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

👍 10–25 je nach Branche

Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie

Wie viele Jahresgewinne kostet die Aktie? Das KGV ist der Klassiker für den schnellen Preis-Check — am aussagekräftigsten im Vergleich zur eigenen Historie und zur Branche.

⚠ Stolperfalle: Bei Verlustfirmen unbrauchbar; zyklische Gewinne (Auto, Chemie) machen das KGV am Hoch optisch billig.

KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis)

👍 < 2 günstig, > 10 sportlich

Marktkapitalisierung ÷ Umsatz

Bewertet den Umsatz statt des Gewinns — nützlich bei jungen Wachstumsfirmen, die (noch) keinen Gewinn machen.

⚠ Stolperfalle: Umsatz ist nicht Gewinn: Ein niedriges KUV bei Mini-Margen ist kein Schnäppchen.

KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis)

👍 < 1 = unter Substanzwert

Kurs ÷ Buchwert je Aktie

Vergleicht den Preis mit dem bilanziellen Eigenkapital. Beliebt bei Banken, Versicherern und Industrie.

⚠ Stolperfalle: Bei Software- und Markenunternehmen fast bedeutungslos — ihr Wert steht nicht in der Bilanz.

PEG-Ratio

👍 ≈ 1 fair, < 1 attraktiv

KGV ÷ Gewinnwachstum (% p. a.)

Setzt die Bewertung ins Verhältnis zum Wachstum: Ein KGV von 30 ist bei 30 % Gewinnwachstum fair, bei 5 % absurd teuer.

⚠ Stolperfalle: Wachstumsprognosen sind Schätzungen — ein PEG auf Analystenträumen ist Makulatur.

EV/EBITDA

👍 8–12 üblich

Unternehmenswert ÷ operativer Gewinn

Die Profi-Variante des KGV: berücksichtigt Schulden (Enterprise Value) und ist unabhängig von Abschreibungs- und Steuereffekten — ideal für Vergleiche.

⚠ Stolperfalle: EBITDA ignoriert echte Investitionskosten — Warren Buffett nennt es „Zahnfee-Gewinn“.

Profitabilität: Wie gut verdient es?

Margen und Kapitalrenditen sind der Qualitäts-TÜV eines Geschäftsmodells.

Bruttomarge

👍 > 40 % stark

(Umsatz − Herstellkosten) ÷ Umsatz

Zeigt die Preissetzungsmacht: Wie viel bleibt vom Umsatz nach den direkten Kosten? Software erreicht 70–90 %, Handel oft unter 30 %.

⚠ Stolperfalle: Nur innerhalb der Branche vergleichen — Aldi mit Adobe zu vergleichen ist sinnlos.

Operative Marge

👍 > 15 % gut

Operativer Gewinn (EBIT) ÷ Umsatz

Der Maschinenraum: Wie profitabel ist das Kerngeschäft nach allen laufenden Kosten? Stabil steigende Margen = Skaleneffekte greifen.

⚠ Stolperfalle: Einmaleffekte (Verkäufe, Restrukturierung) können einzelne Jahre verzerren — immer 5+ Jahre anschauen.

Nettomarge

👍 > 10 % gut

Jahresüberschuss ÷ Umsatz

Was am Ende für die Aktionäre übrig bleibt — nach Zinsen und Steuern.

⚠ Stolperfalle: Durch Steuereffekte und Zinslast schwankungsanfälliger als die operative Marge.

ROE (Eigenkapitalrendite)

👍 > 15 % erstklassig

Gewinn ÷ Eigenkapital

Wie effizient arbeitet das Geld der Aktionäre? Dauerhaft hohe ROE ist das stärkste Qualitätssignal überhaupt.

⚠ Stolperfalle: Hohe Schulden pushen die ROE künstlich — immer zusammen mit der Eigenkapitalquote lesen.

ROCE

👍 > 15 % stark

EBIT ÷ eingesetztes Kapital

Wie die ROE, aber inklusive Fremdkapital — entlarvt schuldengetriebene Scheinqualität.

⚠ Stolperfalle: Berechnungsvarianten unterscheiden sich je Datenquelle — innerhalb einer Quelle vergleichen.

Bilanz & Sicherheit: Überlebt es Krisen?

Schulden entscheiden im Abschwung über Leben und Tod — diese vier Checks schützen dich.

Eigenkapitalquote

👍 > 30 % solide

Eigenkapital ÷ Bilanzsumme

Der Risikopuffer: Je mehr Eigenkapital, desto mehr Krise kann das Unternehmen wegstecken, ohne in Not zu geraten.

⚠ Stolperfalle: Banken und Versorger funktionieren systembedingt mit weniger — Branchenkontext zählt.

Nettoverschuldung / EBITDA

👍 < 3 okay, < 1 stark

(Schulden − Kasse) ÷ EBITDA

In wie vielen Jahren könnte die Firma ihre Schulden aus dem operativen Gewinn tilgen? Der wichtigste Schulden-Check.

⚠ Stolperfalle: Leasingverbindlichkeiten und Pensionslasten verstecken sich gern im Kleingedruckten.

Zinsdeckungsgrad

👍 > 5 entspannt

EBIT ÷ Zinsaufwand

Wie locker bedient der Gewinn die Zinslast? Unter 2 wird es bei steigenden Zinsen oder Gewinneinbruch schnell eng.

⚠ Stolperfalle: Bei variabel verzinsten Schulden kann sich das Bild binnen eines Jahres drehen.

Free Cashflow (FCF)

👍 positiv & wachsend

Operativer Cashflow − Investitionen

Das echte Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt — für Dividenden, Rückkäufe, Schuldenabbau. Gewinne kann man gestalten, Cash kaum.

⚠ Stolperfalle: Stark investierende Wachstumsfirmen haben bewusst negativen FCF — entscheidend ist der Trend.

Dividende & Cashflow: Was kommt bei dir an?

Für Einkommens-Investoren die Pflicht-Kennzahlen — inklusive Dividendenfallen-Warnung.

Dividendenrendite

👍 2–4 % gesund

Dividende je Aktie ÷ Kurs

Die jährliche Ausschüttung im Verhältnis zum Kurs — dein „Zins“ aufs investierte Kapital.

⚠ Stolperfalle: Über 6 % ist oft ein Warnsignal: Der Markt zweifelt an der Nachhaltigkeit (Dividendenfalle).

Ausschüttungsquote

👍 30–60 % nachhaltig

Dividende ÷ Gewinn (oder FCF)

Welcher Gewinnanteil wird ausgeschüttet? Niedrig = Luft für Erhöhungen, nahe 100 % = auf Kante genäht.

⚠ Stolperfalle: Besser auf den FCF statt auf den Buchgewinn beziehen — Dividenden werden aus Cash gezahlt.

Dividendenwachstum

👍 > 5 % p. a. stark

Steigerung p. a. über 5–10 Jahre

Stetig wachsende Dividenden (Dividend Aristocrats: 25+ Jahre) signalisieren Disziplin und Geschäftsqualität.

⚠ Stolperfalle: Vergangenheit garantiert nichts — 2020 strichen selbst Traditionszahler die Dividende.

Kennzahlen richtig kombinieren

Einzeln sind Kennzahlen Schnappschüsse — kombiniert werden sie zum Röntgenbild.

Mein 4-Fragen-Raster für jede Aktie:
1️⃣ Wächst es? → Umsatz- & Gewinnwachstum über 5–10 Jahre
2️⃣ Verdient es? → operative Marge & ROE im Trend
3️⃣ Überlebt es? → Nettoverschuldung/EBITDA & Eigenkapitalquote
4️⃣ Was kostet es? → KGV/EV-EBITDA vs. Historie & PEG
Erst wenn alle vier Antworten überzeugen, lohnt der tiefe Blick in den Geschäftsbericht.

Drei goldene Regeln zum Schluss:

📏 Immer im Kontext lesen — gegen die eigene Historie und die Branche, nie absolut.

📉 Trends schlagen Momentaufnahmen — eine Marge von 15 % ist gut, eine von 12 % auf 15 % gestiegene besser.

🕵️ Misstrauisch bei Ausreißern — Traumkennzahlen haben oft einen Haken (Einmaleffekte, Bilanzkosmetik, Zyklushoch).

Häufige Fragen zu Finanzkennzahlen

Quellen, Schwellenwerte und die Grenzen der Zahlen.

Starte mit dem Vierer-Pack: Umsatzwachstum (wächst es?), operative Marge (verdient es?), Nettoverschuldung/EBITDA (überlebt es Krisen?) und KGV im historischen Vergleich (was kostet es?). Damit erkennst du 80 % aller Qualitäts- und Bewertungsprobleme.

Bei Tools wie Aktienfinder, TIKR oder aktien.guide grafisch über 10+ Jahre aufbereitet; die Rohdaten stehen im Geschäftsbericht (Investor-Relations-Seite). Auch Broker-Apps zeigen die Basics direkt in der Wertpapier-Ansicht.

Es gibt keine magische Zahl: Ein Versorger mit KGV 18 kann teuer sein, ein Software-Marktführer mit KGV 28 fair. Vergleiche immer mit der eigenen Historie (10-Jahres-Schnitt) und mit direkten Wettbewerbern — und setze das KGV über die PEG-Ratio ins Verhältnis zum Wachstum.

Weil Buchgewinne gestaltbar sind (Abschreibungen, Rückstellungen, Bewertungseffekte), Cash aber nicht lügt: Der FCF zeigt, wie viel echtes Geld nach allen Investitionen ankommt — daraus werden Dividenden, Aktienrückkäufe und Schuldentilgung bezahlt. Firmen mit dauerhaft starkem FCF sind selten schlechte Investments.

Nein — jede Kennzahl hat blinde Flecken (siehe Stolperfallen oben). Die Kunst ist die Kombination: Qualität (Margen, ROE) + Sicherheit (Verschuldung) + Preis (KGV/EV-EBITDA) + Wachstum. Wie das praktisch geht, zeigt der Guide „Aktien selbst analysieren“.

Eingeschränkt: Für ETFs zählen vor allem TER (Gesamtkostenquote), Fondsvolumen, Replikationsart und Tracking-Differenz. Bewertungskennzahlen wie das KGV gibt es auch auf Index-Ebene — sie taugen aber eher zur groben Markteinordnung als zum Timing.

Weiter lernen

Jetzt die Kennzahlen in Aktion erleben.

🎁

Bis zu +1.200€ Bonus geschenkt

Neues Depot, Girokonto oder Krypto-App? Auf meiner Bonus-Seite sammle ich alle aktuellen Neukunden-Aktionen — in wenigen Minuten sicherst du dir mehrere hundert Euro Prämien.

Zu den Bonus-Links

Hinweis: Daumenregeln sind grobe Orientierungswerte und ersetzen keine Einzelfallprüfung. Keine Anlageberatung.