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Immobilien 1×1

Annuität, Mietrendite, AfA — alle Grundlagen verständlich erklärt, plus die komplette Beispielrechnung für deine erste vermietete Wohnung.

Stand: 2026

Die 10 Begriffe, die du können musst

Wer diese Vokabeln beherrscht, versteht jedes Exposé und jedes Bankgespräch.

Kaufnebenkosten

Grunderwerbsteuer (3,5–6,5 % je Bundesland), Notar & Grundbuch (~2 %), ggf. Makler (~3,57 %). Zusammen 8–12 % — Geld, das sofort „weg“ ist und erst wieder verdient werden muss.

Annuität

Deine konstante Kreditrate aus Zins + Tilgung. Bei 300.000 € Kredit, 3,8 % Zins und 2 % Tilgung: 300.000 × 5,8 % = 17.400 €/Jahr = 1.450 €/Monat.

Tilgung

Der Teil der Rate, der die Schuld wirklich abbaut. Weil die Zinslast mit sinkender Restschuld fällt, steigt der Tilgungsanteil automatisch — der „Tilgungsturbo“ der Annuität.

Beleihungswert & EK

Banken finanzieren i. d. R. 80–100 % des Kaufpreises — die Nebenkosten musst du fast immer aus Eigenkapital zahlen. Faustregel: mindestens Nebenkosten + 10–20 % Kaufpreis als EK.

Bruttomietrendite

Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis. Schneller Erstfilter: unter 3,5 % wird es schwer, über 5 % ist (in guter Lage) ein Prüf-Kandidat.

Nettomietrendite

(Jahreskaltmiete − nicht umlegbare Kosten) ÷ (Kaufpreis + Nebenkosten). Die ehrliche Rendite — meist 0,8–1,5 Prozentpunkte unter der Brutto-Variante.

Cashflow

Miete minus Rate, Verwaltung und Instandhaltungsrücklage. Positiv = die Wohnung trägt sich selbst; negativ = du schießt monatlich zu und wettest auf Wertsteigerung.

Hausgeld & Rücklage

Bei Eigentumswohnungen: monatliche Zahlung an die WEG (Verwaltung, Instandhaltung). Nicht umlegbare Teile mindern deine Rendite — Protokolle der Eigentümerversammlung lesen!

AfA (Abschreibung)

Den Gebäudeanteil (nicht das Grundstück) schreibst du mit 2–3 % p. a. steuerlich ab. Zusammen mit Zinsen macht das Vermietung steuerlich attraktiv.

Spekulationsfrist

Verkaufst du eine vermietete Immobilie nach 10 Jahren, ist der Wertzuwachs steuerfrei — einer der größten Steuervorteile überhaupt (selbstgenutzt: schon früher).

Die komplette Beispielrechnung

Eine 60-m²-Wohnung für 250.000 € in einer B-Stadt — ehrlich durchgerechnet.

Kaufpreis 250.000 €
+ Nebenkosten (10 %)
Grunderwerbsteuer, Notar, Makler
25.000 €
= Gesamtinvestition
davon 65.000 € Eigenkapital, 210.000 € Kredit
275.000 €
Kaltmiete (11 €/m²)
7.920 € pro Jahr
660 € / Monat
Bruttomietrendite
7.920 ÷ 250.000 — Erstfilter: knapp
3,2 %
− Kreditrate (3,8 % + 2 %)
Annuität auf 210.000 €
−1.015 € / Monat
− Verwaltung & Rücklage
nicht umlegbares Hausgeld + Instandhaltung
−130 € / Monat
= Cashflow
die Wohnung kostet dich monatlich Geld
−485 € / Monat
Steuereffekt (AfA + Zinsen)
bei 40 % Grenzsteuersatz, grob
≈ +150 € / Monat
Effektiver Zuschuss
deine Wette auf Tilgung + Wertsteigerung
≈ −335 € / Monat
Die ehrliche Lektion: Zu heutigen Preisen und Zinsen tragen sich viele Objekte nicht von selbst — du investierst monatlich zu und verdienst über Tilgung, Steuervorteile und (hoffentlich) Wertsteigerung. Das kann aufgehen, ist aber eine gehebelte Wette. Deshalb: immer mit spitzem Bleistift rechnen, nie mit Makler-Prosa.

Finanzierung verstehen in 4 Schritten

Der Kredit entscheidet über Erfolg oder Dauerstress — hier sind die Stellschrauben.

1

Zinsbindung wählen

10, 15 oder 20 Jahre Zinssicherheit: Je länger, desto teurer, aber planbarer. In unsicheren Zinsphasen sind 15+ Jahre der Klassiker. Sondertilgungsrecht (5–10 % p. a.) immer mitverhandeln.

2

Tilgungssatz festlegen

Mindestens 2 %, besser 2,5–3 % anfängliche Tilgung — sonst zahlst du Jahrzehnte fast nur Zinsen. Faustregel: Zins + Tilgung sollten 30–35 % deines Nettoeinkommens nicht übersteigen.

3

Angebote vergleichen

Zwischen Hausbank und Vermittlern (Interhyp, Dr. Klein, Baufi24) liegen oft 0,2–0,5 Prozentpunkte — bei 300.000 € über 15 Jahre sind das zehntausende Euro.

4

Restschuld im Blick

Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt eine Restschuld, die zum dann gültigen Zins weiterfinanziert wird. Rechne ein Stress-Szenario: Was passiert bei +2 Prozentpunkten Anschlusszins?

Lage, Lage, Lage — aber wie bewertet man sie?

Makro vor Mikro: erst die Stadt, dann die Straße, dann das Objekt.

📍 Gute Zeichen

  • Bevölkerungs- und Jobwachstum (Statistikamt, Zensus)
  • Unis, Kliniken, diverse Arbeitgeber statt Monostruktur
  • ÖPNV-Anschluss & Nahversorgung fußläufig
  • Geringer Leerstand, kurze Vermarktungszeiten
  • Sanierungsgebiete & Investitionen der Kommune

🚩 Warnsignale

  • Schrumpfende Region, Abhängigkeit von einem Arbeitgeber
  • „Traumrendite“ 8 %+ — meist Problemlage oder Sanierungsstau
  • Hoher Leerstand im Haus, zerstrittene WEG, leere Rücklage
  • Erbpacht, ungeklärte Altlasten, Denkmal ohne Konzept

Die 5 klassischen Anfängerfehler

Jeder davon hat schon Vermögen gekostet — alle sind vermeidbar.

1. Rate = Miete gerechnet — und Instandhaltung, Mietausfall, Verwaltung und Anschlusszins vergessen. Immer mit Vollkosten kalkulieren.

2. Emotional gekauft — „Da würde ich selbst wohnen!“ ist kein Investmentkriterium. Zahlen entscheiden, nicht das Bauchgefühl bei der Besichtigung.

3. Ohne Puffer finanziert — wer nach dem Kauf keine 3–6 Monatsraten Reserve hat, ist beim ersten Heizungsschaden im Dispo.

4. WEG-Protokolle ignoriert — die letzten 3 Eigentümerversammlungs-Protokolle verraten Sanierungsstau, Streit und Sonderumlagen im Anflug.

5. Alles auf eine Karte — das gesamte Vermögen in ein Objekt ist maximales Klumpenrisiko. ETF-Basis zuerst, Immobilie als Baustein.

Häufige Fragen zum Immobilien-Einstieg

Eigenkapital, Rendite, Kaufen vs. Mieten — kompakt beantwortet.

Als Daumenregel: die kompletten Kaufnebenkosten (8–12 %) plus 10–20 % des Kaufpreises. Bei einer 300.000-€-Wohnung also rund 55.000–90.000 €. 110-%-Finanzierungen ohne Eigenkapital gibt es, kosten aber deutliche Zinsaufschläge und sind nur für Top-Bonitäten realistisch.

Brutto gilt grob: unter 3,5 % schwierig, 4–5 % solide, über 5 % prüfenswert (Vorsicht: oft Lagerisiko!). Wichtiger ist die Nettorendite nach allen Kosten — und der Cashflow: Trägt sich die Wohnung nach Rate, Verwaltung und Rücklage selbst? Rechne mit unserem Mietrendite-Rechner auf der Immobilien-Seite nach.

Finanziell hängt es von Kaufpreis-Miete-Verhältnis, Zins und deiner Alternative ab: Wer die Eigenkapital-Differenz diszipliniert in ETFs investiert, fährt rechnerisch oft ähnlich oder besser. Kaufen gewinnt durch Zwangssparen, Inflationsschutz der Schulden und emotionale Sicherheit. Der „Immobilie vs. ETF“-Rechner rechnet dir beides durch.

Sie ist der klassische Einstieg: überschaubares Ticket, AfA und Zinsen steuerlich absetzbar, nach 10 Jahren steuerfreier Verkauf möglich. Dagegen stehen Klumpenrisiko, Verwaltungsaufwand und WEG-Abhängigkeit. Wer es passiver mag: Immobilien-Crowdinvesting oder REITs — mit eigenem Risikoprofil.

Drei Dinge: Instandhaltung (1–2 € je m² monatlich zurücklegen — Dach, Heizung, Bad kommen sicher), nicht umlegbare Kosten (Verwaltung, Mietausfall) und die Anschlussfinanzierung nach der Zinsbindung. Wer nur Rate gegen Miete rechnet, rechnet sich reich.

Hohe Zinsen drücken die Kaufpreise — die Gesamtrechnung kann besser sein als im Nullzins-Boom. Entscheidend ist nicht der Zins allein, sondern das Verhältnis von Kaufpreis, Miete und Finanzierungskosten für das konkrete Objekt. Gute Deals gibt es in jeder Zinsphase, schlechte auch.

Weiter lernen & rechnen

Vom Wissen zur konkreten Rechnung.

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Hinweis: Beispielrechnungen sind vereinfacht (u. a. pauschaler Steuereffekt) und ersetzen keine individuelle Finanzierungs-, Steuer- oder Anlageberatung.